Kraniosynostosen
Synonyme: Schädeldeformität, frühzeitiger (prämaturer) Schädelnahtverschluss
Der Begriff Kraniosynostose bezeichnet eigentlich einen verfrühten Verschluss der Schädelnähte. Schädelnähte sind die Wachstumszonen des Knochens, an denen der Kopf im Säuglingsalter rasch an Größe zunehmen kann. Hierdurch wird dem sich schnell entwickelnden Gehirn genug Platz zur Verfügung gestellt und verhindert, dass das Gehirn bei Platzmangel unter Druck gerät oder sogar Schaden nimmt.
Sie kann durch die Veränderungen am Knochen der Schädelbasis auch zu begleitenden Deformitäten des Gesichtsschädels führen. Die Indikation für eine operative Korrektur stellt sich nicht nur durch mögliche neurologische Symptome (Entwicklungsverzögerung, Schmerzen, Sehstörungen etc.), sondern auch durch den ästhetische Aspekt, der die weitere Entwicklung des Kindes und seiner Psyche schwerwiegend beeinflussen kann.
Die Kinderneurochirurgie Salzburg verwendet für die Korrektur von Schädeldeformitäten MRT-basierte, individuell in-house gefertigte CAD-Schablonen und auf Ihr Kind angefertigte resorbierbare Implantate (point-of-care Herstellung), an denen die Kopfform ihres Kindes vorab berechnet und modelliert werden kann. Hierdurch wird eine möglichst symmetrische Korrektur angestrebt, vor allem bei Korrekturen unter Beteiligung des Mittelgesichts. Aufgrund der optimalen Planung und Passform ist somit auch eine Verkürzung der Operationszeit möglich, was den kleinen Patienten zusätzlich zugute kommt. Die resorbierbaren Implantate machen Zweiteingriffe zur Entfernung von Titanmaterial überflüssig.
Die Kinderneurochirurgie Salzburg führt regelmäßig gemeinsamen Sprechstunde mit den Kollegen der Mund-, Kiefer- und Plastischen Gesichtschirurgie durch, in der alle Aspekte kraniofazialer Veränderungen, Nahtverschlüsse und Lagerungsdeformitäten diagnostiziert und therapiert werden können. Das Universitätsklinikum der PMU Salzburg ist Referenzzentrum im ERN Cranio in Österreich für die Behandlung kraniofazialer Fehlbildungen.

Expertisezentrum für Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten und Kraniofaziale Anomalien (salk.at)
Diagnose
Die Kraniosynostose ist nicht zu verwechseln mit einer lagebedingten Abflachung des Kopfes, wie sie typischerweise und sehr häufig am Hinterkopf auftreten kann (lagebedingte Plagiozephalie). Diese erklärt sich durch die meist bevorzugte Rückenlage des Kindes, wie sie zur Vermeidung des plötzlichen Kindstodes seit den 90erJahren empfohlen wird. In diesem Falle ist auf eine Veränderung der Liegegewohnheiten zu achten und das Kind nach einigen Wochen nochmals zu kontrollieren.
Die Diagnose der Kraniosynostose als auch der lagebedingten Plagiozephalie stützt sich im Wesentlichen auf die klinische Untersuchung. Eine Ultraschalluntersuchung kann die häufig schon klinisch eindeutige Diagnose einer Nahtsynostose sichern und damit eine unnötige Strahlenbelastung des Kindes vermeiden helfen. Bei weiterem Klärungsbedarf empfiehlt sich zunächst eine Röntgen-Nativ Untersuchung des Kopfes. Eine Computertomographie des Kopfes bietet die höchste Auflösung und macht die knöchernen Strukturen mit den Schädelnähten im Detail sichtbar. Art und Umfang einer eventuell notwendigen Operation bei einer Kraniosynostose sollten von dieser Untersuchung abhängig gemacht werden.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach den betroffenen Schädelnähten und dem Ausmaß der Schädeldeformität.
Die minimal-invasiv endoskopische Korrektur von Kraniosynostosen kann bereits mit 6 – 8 Lebenswochen erfolgen und besonders schonend aufgrund der wesentlich kürzeren Operationsdauer, der Schlüssellochtechnik mit minimaler Wundfläche. Aufgrund der sehr frühen Korrektur ist eine komplexe Rekonstruktion oder Verplattungen von Schädelknochen nicht notwendig. In der Regel reicht die Entfernung der krankhaft veränderten Naht und Einkerbungen am Knochen, um das Wachstum des Schädels zu normalisieren. Nach der Operation kann durch Lagerungstherapie teilweise auch auf eine Helmbehandlung verzichtet werden.
Eine offene chirurgische Korrektur sollte je nach Lokalisation und Ausmaß der Synostose zwischen dem 4. und 15. Lebensmonat erfolgt sein. Der begünstigende Effekt auf die weitere Entwicklung des Kindes ist in diesem frühen Lebensalter am größten. Im höheren Lebensalter werden oft umfangreichere Eingriffe am Schädelknochen aufgrund der fortgeschrittenen Verknöcherung notwendig. Die operativen Korrektionen müssen auf die individuellen Gegebenheiten, wie dem Verlauf der Blutgefäße und der Knochenbeschaffenheit, Rücksicht nehmen und bedürfen einer speziellen operativen Rekonstruktion. Eine Ausnahme stellen die lagebedingten Kopfdeformitäten dar. Je nach Ausmaß der lagebedingten Plagiozephalie kann auch eine abwartende Haltung gerechtfertigt sein (siehe Helmtherapie).
Formen
Die häufigste Form des vorzeitigen Schädelnahtverschlusses ist die sog. Sagittalnahtsynostose, die zu einem Skaphozephalus (Langschädel) führt. Sie entspricht einem in seiner Form langgezogenen, schmalen Kopf mit einer kielartigen, knöchernen Vorwölbung im Bereich der Sagittalnaht (Pfeilnaht) oder auch im Bereich der Stirn sowie des Hinterkopfes. Die einseitige Kranznahtsynostose führt zur sog. Plagiozephalie, einer Kopf- und Gesichtsschädeldeformität mit Abflachung der betroffenen Seite. Eine operative Korrektur sollte neben der Rekonstruktion des Stirnbereiches auch die Augenhöhlen (Orbita) des Gesichtes umfassen. Gleiches Vorgehen gilt für die beidseitige Kranznahtsynostose, die zu einer ausgeprägteren Brachyzephalie mit einer hohen und steil stehenden Stirnform führt. Seltener sind die Frontalnahtsynostose (Trigonozephalus), die durch eine Prominenz der Stirn mit begleitenden knöchernen Veränderungen auch der Augenhöhlen gekennzeichnet ist. Ebenso selten ist die Lambdanahtsynostose, die eine einseitige oder beidseitige Abflachung des Hinterkopfes bedingt.
Genetisch bedingte Syndrome wie z.B. das Apert-, Crouzon- oder Pfeifer-Syndrom, die neben einem Verschluss mehrerer Schädelnähte auch knöcherne Missbildungen der Arme und Beine oder der inneren Organe zeigen können, müssen zunächst einer sorgfältigen pädiatrischen Diagnostik unterzogen werden, um einen möglichst ganzheitlichen Therapieplan erstellen zu können. Hier ist die Eröffnung der Schädelnähte zwingend notwendig, da meist mehrere Nähte gleichzeitig betroffen sind und diese das Hirnwachstum und damit die Entwicklung des Kindes erheblich einschränken.
Fragen zu Kraniosynostosen und anderen Schädeldeformitäten werden gemeinsam mit den Kollegen der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie in der interdisziplinären Schädeldeformitäten-Sprechstunde beantwortet. Salzburg ist hierbei das Referenzzentrum für kraniofaziale Fehlbildungen in Österreich im Rahmen des ERN Cranio (European Reference Network).
Weitere Informationen zu Kraniosynostosen und dem Behandlungszentrum können Sie per Email erhalten:
Therapieanfragen / Terminvereinbarungen für die kraniofaziale Sprechstunde:
+43 (0) 5 7255 – 26222
+43 (0) 5 7255 – 58548
Patienten aus Deutschland können mit dem S2-Formular auch Ihre geplanten Kontrollen wahrnehmen. Informationen zur Behandlung in Österreich finden Sie hier:
https://www.krankenkassen.de/ausland/portable/s2/
