Hydrocephalus – Historie der Therapie
Obschon die Erkrankung seit Hippokrates bekannt ist, besteht Uneinigkeit darüber, ob dieser auch bereits Therapieversuche durch Liquorpunktionen durchgeführt habe. Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts galt die Prognose als schlecht und die therapeutischen Verfahren beschränkten sich auf Bandagierung oder Gipsverbände des Kopfes zum Eindämmen des Kopfwachstums. Victor Bruns beschrieb 1854 in seiner Monographie «Die Chirurgischen Krankheiten des Gehirns und seiner Umhüllungen» jene Methoden als unbrauchbar aufgrund des Auftretens von Ulzerationen, letalen Liquorfisteln und ansteigenden intrakraniellen Druckes. Bestimmte Diäten wurden erfolglos eingesetzt, ebenso systemische Medikationen wie Laxantien, Diuretika und Quecksilberverbindungen. Nur Acetazolamid konnte aufgrund der Reduktion der Liquorproduktion temporäre Linderung erzielen. Bereits im 19. Jahrhundert stellte sich nach und nach die Frage nach einer operativen Therapie, die als einzige Erfolg versprechen konnte.
Als historisch erster bedeutender Schritt in der Chirurgie des Hydrocephalus muss deshalb die erste dokumentierte Ventrikelpunktion am 23.10.1744 durch Claude-Nicolas Le Cat gewertet werden. Doch erst nachdem die Asepsis durch Ignaz Philipp Semmelweis 1847 in die Chirurgie Einzug hielt, war eine wiederholbar erfolgreiche Durchführung solcher Eingriffe zu denken.
In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wurden durch Fedor Krause, Walter Dandy, Ernst von Bergmann und viele weitere herausragende Persönlichkeiten der Chirurgie die Methoden der Ventrikelpunktion und der äußerlichen Drainage verbessert. Doch erst die Entwicklung der geschlossenen externen Liquorableitung durch F.D. Ingraham im Jahre 1941 – welche in ihren Grundzügen bis heute Verwendung findet – konnte neben der extravulnären Ausleitung der Drainagen in den frühen 80er Jahren die Infektionsgefahr deutlich reduzieren.
Bezüglich dauerhafter Ableitungen waren die frühen Versuche u.a. durch Erwin Payr (1908) zu Leipzig mit der Verwendung von autologen und heterologer Venen mitsamt Venenklappen durch Ableitung des Liquors in den Sinus sagittalis superior bedeutsam. In Autopsien konnten hierbei Langzeiterfolge bis zu elf Jahren nachgewiesen werden.
Walter Dandy führte unter Opferung eines Sehnerven einen Eingriff durch, bei dem er – selbst als «posterior ventriculostomy» bezeichnet – den Boden des III. Hirnventrikels zum Subarachnoidalraum hin eröffnete. Dass dieser Eingriff in der heutigen Zeit unter Zuhilfenahme moderner Endoskopiesysteme zum Standardeingriff für die Therapie der Aquäduktstenose wurde, war damals noch nicht vorstellbar.
Den entscheidenden Durchbruch in der Behandlung des Hydrocephalus gelang 1949 mit der Implantation eines durch Frank Nulsen entwickelten Kugel-Konus-Ventils mit Gummipumpkammer durch Eugen Spitz.
Im Jahre 1955 konstruierten Robert Pudenz und Ingenieur Ted Heyer ein distales Schlitzventil mit Teflonbeschichtung.
Ingenieur John D. Holter entwickelte schließlich innerhalb weniger Wochen im Kampf um das Leben seines an einem konnatalen Hydrocephalus erkrankten Sohnes das erste weltweit akzeptierte Ventil, welches als Doppel-Silikon-Schlitzventil mit einer Helixfeder für die ventrikuloatriale Implantation konzipiert war und durch Eugen Spitz im März 1956 erstmals implantiert wurde. Bereits im Sommer des gleichen Jahres begann die industrielle Massenfertigung und dieses als «Spitz-Holter-Ventil» führte zum Etablierung der Shuntchirurgie zum Standard der Hydrocephalusbehandlung.
Im Jahre 1958 wurde in Zusammenarbeit des deutschen Uhrmachers Rudi Schulte mit Pudenz und Heyer ein verbessertes distales Schlitzventil entwickelt, welches mehrfache quergerichtete Schlitze verwendete. Schulte war es auch, der im Jahre 1960 ein Membranventil entwickelte.
Diese vier Ventiltypen, welche innerhalb weniger Jahre entwickelt wurden, stellen noch heute die Grundprinzipien der Shunttechnologie dar: Kugel-Konus-Typ, distales und proximales Schlitzventil, Membranventil.
Für die häufig langjährige und komplexe ambulante Betreuung stehen neben Sprechstunden der Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) auch Hydrocephalus-Spezialsprechstunden zur Verfügung. Nur durch engmaschige ambulante Kontrollen kann ein optimales Ergebnis der Behandlung bis ins Erwachsenenalter gewährleistet werden.
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