Hydrocephalus (Wasserkopf)

Der Hydrocephalus (vom griechischen abgeleitet: Wasserkopf) ist eine Erkrankung verursacht durch Störungen im Wasser- und Hirnwasserkreislauf des Zentralnervensystems. Viele Ursachen und wissenschaftliche Hintergründe sind bis heute noch unklar und Gegenstand intensiver Forschung.
Die Behandlung der Störungen des Hirnwasserkreislaufs haben sich in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert und basieren vor allem auf eingehender Untersuchung des individuellen Patienten. Endoskopische Behandlungsverfahren sowie spezielle Hirnwasserableitungen als auch telemetrische Messsonden gehören heutzutage zum Behandlungsspektrum der Kinderneurochirurgie. Die Behandlung des Wasserkopfs stellt eine der häufigsten Operationen im Kindesalter dar. Deshalb haben wir auch ein hohes Maß an wissenschaftlichem Interesse und betreiben technologischen Entwicklungsaufwand in der Kinderneurochirurgie Salzburg. Vor allem die minimal-invasive endoskopische Neurochirurgie (MIEN) wird angeboten. Dabei wird für jedes Kind individuell geprüft, ob eine shuntfreie Behandlung möglich ist, d.h. die rein endoskopische Wiederherstellung der Hirnwasserkreislaufs erfolgreich möglich ist.
Die Sprechstunde in Leipzig ist eng mit der Kinderneurochirurgie am Universitätsklinikum Salzburg verzahnt. Dort arbeiten wir gemeinsam mit den Kollegen der Neuropädiatrie und der Kinder- und Jugendchirurgie in den Salzburger Landeskliniken (SALK). Die Kinderneurochirurgie engagiert sich auch im Rahmen des Europäischen Referenznetzwerks der EU-Kommission um die weitere Verbesserung der Behandlung.
Hydrocephalus (vom griechischen: hydro- ὑδρο- ‚Wasser-’ und kephalē κεφαλή ‚Kopf’) bezeichnet als Symptom eine ganze Gruppe von Erkrankungen. Gekennzeichnet ist der Hydrozephalus (Hydrozephalus, Wasserkopf) von charakteristischen Symptomen. Bei Neugeborenen und Kleinkindern kann man durch eine zu schnelle Zunahme des Kopfumfanges, eine vorgewölbte Fontanelle, auseinanderweichende Schädelnähte und auch Trinkschwäche, Entwicklungsverzögerung, Erbrechen und auch Sehstörungen (permanenter Blick nach unten – Sonnenuntergangsphänomen) relativ rasch einen Hydrocephalus diagnostizieren und mittels Sonografie (Ultraschall) eine Erweiterung der Hirnwasserkammern als Nachweis des Hydrocephalus durchführen. Bei Kindern über einem Jahr findet man häufig Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Störungen der Koordination, Sehstörungen oder auch allgemeine Verzögerung der Kindesentwicklung. Häufig kann nur ein MRT (Kernspintomografie) Aufschluss geben, ob eine Erkrankung des Hirnwassersystems vorliegt. Die frühzeitige, effiziente und individuell optimierte Behandlung des Kindes ist hierbei entscheidend für die weitere Entwicklung der kleinen Patienten. Vor allem Intelligenzstörungen, Verhaltens-, Emotions- und Lernstörungen, motorische Beeinträchtigungen der Fein- und Grobmotorik oder Störung der Sprachentwicklung können als Langzeitfolgen eines unbehandelten Hydrocephalus auftreten und zu bleibenden Schäden führen. Aufgrund dessen ist eine Behandlung bereits vor Auftreten dieser Störungen notwendig, da diese Folge einer langdauernden Hirnschädigung und Hirnentwicklungsstörung durch den Hydrocephalus sind. Die Ventrikulomegalie (Erweiterung der Hirnkammern ohne Symptome) ist eine der wichtigsten Differentialdiagnosen, die es vom Hydrozephalus abzugrenzen gilt.
Die Hydrocephalustherapie umfasst hierbei heutzutage neben der seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts etablierten Versorgung mit Hirnwasserableitungen (sogenannten Shunts) in Bauchraum (VP-Shunt) oder Herzvorkammer (VA-Shunt) vor allem auch die shuntfreie, endoskopische Therapie. Durch minimal-invasive, endoskopische oder interventionelle Verfahren wird die Hirnwasserzirkulation wieder hergestellt ohne die Risiken eines Shunt-Implantates in Kauf nehmen zu müssen.
Dabei stehen die Ärzte der Kinderneurochirurgie Salzburg in der Tradition ihrer großen Marburger Lehrer der MIEN (Minimal-invasiv-endoskopischen Neurochirurgie) Prof. Bernhard Bauer und Prof. Dieter Hellwig. Aufgrund der langjährigen Expertise in der endoskopischen Hydrocephalusbehandlung wird jedem Patienten eine individuelle Behandlung geboten, nachdem mit hochauflösenden MRT-Daten eine Vermeidung einer Hirnwasserableitung (Shuntimplantation) geprüft wurde. Darüber hinaus kann durch endoskopische Techniken z.B. bei komplexem Hydrozephalus internus nach Neugeborenenblutung (IVH, intraventrikuläre Hämorrhagie des Frühgeborenen) häufig ein isolierter IV. Ventrikel oder multizystische Hydrocephalus ohne zusätzliche Shuntoperation behandelt werden. Die Kinderneurochirurgie Salzburg führt bei Frühgeborenen die neuroendoskopische Lavage durch. Ziel ist es, die Ursache des Hydrocephalus zu beseitigen und eine Shuntimplantation möglichst zu vermeiden.
Für die Durchführung dieser sogenannten Endoskopischen Ventrikulozisternatomie stehen neben modernen HD-Kamerasystemen und Kontakt-Laser auch spezielle pädiatrische Endoskopsysteme für Neugeborene und Kleinkinder zur Verfügung. Gerade im Früh-, Neugeborenen- und Kleinkindalter besteht eine hohe Expertise in der Durchführung von Aquäduktoplastien, Zystenfensterungen, Septostomien und endoskopisch assistierter Katheteranlagen zur shuntfreien Behandlung. Moderne Navigations- und Ultraschallsysteme für die präzise Planung und Orientierung während der Eingriffe erhöhen die Sicherheit besonders bei den kleinsten Patienten.
Die Kinderneurochirurgie Salzburg nimmt auch an internationalen Multicenter-Studien zu endoskopischer Hydrocephalustherapie nach Geburt und im Kleinkindalter (unter 2 Jahre) teil.
Neben der endoskopischen Versorgung stehen für die Shuntversorgung innovative Implantate mit speziellen Kinderventilsystemen, programmierbaren und MRT-sicheren Ventilen sowie telemetrischen Sensoren zur Verfügung, welche eine optimale Therapie auch bei komplexen Hirnwasserkreislaufstörungen gewährleisten. Darüber hinaus können mit neuartigen telemetrischen Sensoren auch Langzeitmessungen der Hirndruckverhältnisse selbst zu Hause durchgeführt werden, um die bestmögliche Behandlung der kleinen Patienten bei besonders schwierigen Fällen zu gewährleisten. Hierbei ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Kollegen der Neuropädiatrie für Kinderneurochirurgen essenziell.
Aufgrund der Komplexität der Hirnwasserzirkulation und der Erkrankungen ist eine sorgfältige Diagnostik und Therapie notwendig, die meist für das gesamte Leben bis ins Erwachsenenalter abgestimmt sein muss. Deshalb ist Hydrocephalus eine Erkrankung, die von spezialisierten Neurochirurgen aufgrund der oft im Erwachsenenalter auftretenden Spätschäden (Demenz, Inkontinenz, Gangunfähigkeit) behandelt werden sollte. Der Neurochirurg kann eine umfassende Planung der Behandlung vornehmen, um die Entwicklung des kindlichen Gehirns zu sichern und die lebenslange optimale Therapie zu begleiten.
Für die häufig langjährige und komplexe ambulante Betreuung stehen neben Sprechstunden der Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) auch Hydrocephalus-Spezialsprechstunden zur Verfügung. Nur durch engmaschige ambulante Kontrollen kann ein optimales Ergebnis der Behandlung bis ins Erwachsenenalter gewährleistet werden.
Informationen zur Hydrocephalus-Sprechstunde können Sie per Email hier abrufen:
Patientenanfragen oder Terminvereinbarungen für die Pädiatrische Hydrocephalus-Sprechstunde:
+43 (0) 5 7255 – 26222
Patienten aus Deutschland können mit dem S2-Formular auch Ihre geplanten Kontrollen wahrnehmen. Informationen zur Behandlung in Österreich finden Sie hier:
https://www.krankenkassen.de/ausland/portable/s2/
Begriffe kurz erklärt
- Hydrocephalus: Erkrankung verursacht durch Störungen im Wasser- und Hirnwasserkreislauf des Zentralnervensystems
- Ventrikulozisternatomie / Ventrikulostomie: Minimal-invasive endoskopische Operation, bei der mit einem speziellen Neuroendoskop (Hirnendoskop) die Hirnwasserkammern (Ventrikel) inspiziert werden. Bei bestimmten Hydrocephalusformen kann dann am Boden der 3. Hirnwasserkammer eine Öffnung (Stoma) geschaffen werden, über die das Hirnwasser in die das Hirn umgebenden Räume und den Rückenmarkskanal abfließen kann. So wird der Hirnwasserkreislauf wiedereröffnet und der Hydrocephalus beseitigt. Die Methode ist nur auf wenige Hydrocephalustypen beschränkt und erfordert das Know-How speziell geschulter Kinderneurochirurgen.


